normative.zusammenhaenge.at - Beiträge zu IT-Recht und -Politik
"Who's Net is it, anyway?"
Standards - vom Zurechtfinden in einer dynamischen Entwicklung

Klaus Richter


Entwicklung und Geschichte des Internets als Geschichte der Abstimmung von Standards

Die Ursprünge des heutigen Internets gehen auf Aktivitäten des US-amerikanischen Department of Defense (DoD) zurück, welches Ende der 60er Jahre die Vision einer verläßlichen, universalen und gegen Ausfall und Zerstörung gesicherten Kommunikationsstruktur für seine Kommando- und Kontrollsysteme verfolgte. Grundidee war, daß Computer unterschiedlichster Bauart und mit verschiedenen Systemen und Programmen über ein Netzwerk Daten austauschen können solle, dessen Funktionalität auch nach dem Ausfall von Leitungen und Systemteilen weiter gegeben sein sollte. Das Ende der 60er Jahre von der Defense Advanced Research Projects Agency in Zusammenarbeit mit der Industrie und hochrangigen Universitäten gestartete ARPANET in den USA war Grundlage und Ausgangspunkt für jene Protokolle und Techniken, die auch heute dem Internet zugrundeliegen. Die Idee uneingeschränkter Kommunikation heterogener Systeme untereinander sollte durch den Einsatz von Protokollen verwirklicht werden, die den Datentransfer erlauben und auf Standards beruhen, die von den Betreibern akzeptiert werden und nur unter deren Einhaltung die Funktionalität gesichert und das Wachstum der Netze möglich ist.
Die Standards der Telekommunikation und Datenübertragung sind Grundlage des Internets und anderer Netzwerke und Online-Systeme, die zusammen die Matrix bilden. Proprietäre Standards der großen Hersteller haben den Datenaustausch bis in die 90er Jahre diktiert.
In den 90er Jahren wanderten die Aufgaben der Entwicklung und Standardisierung aus dem Einfluß des amerikanischen Verteidigungssystems an das Internet Architecture Board (IAB; früher Internet Activities Board) bzw. an die Internet Engineering Task Force (IETF) und die Internet Research Task Force (IRTF). Weitere, zum Teil internationale Gremien wurden eingerichtet, um den Standardisierungsprozeß voranzutreiben und die Verbreitung der Netze zu fördern. Neben den dem Funktionieren des World Wide Webs unmittelbar zugrundeliegenden Standards, wie HTML als Auszeichnungssprache der im Web dargestellten Seiten und HTTP als Grundlage des Datenaustausches zwischen Web-Server und Web-Client, sind die allgemeinen Standards des Internets wesentlich, auf deren Implementierungen das Web als nur ein Netzdienst von vielen basiert. Die Adressierung eines Computers durch IP-Adressen und seine Darstellung durch einen leicht merkbaren Namen sind technische Voraussetzungen jeder Web-Technik.

Für den gewöhnlichen Netzbenutzer sind die Arten und Möglichkeiten der Entscheidungsfindungen im Internet kaum nachzuvollziehen. Technische Standards grundsätzlicher Art (Internet-Protokolle, Mail-Aufbau etc.) und Verhaltenregeln in den Netzen werden vornehmlich über Requests for Comments (RFCs) entwickelt und erlangen den Status einer de facto-Verbindlichkeit durch Verwendung im Netz. Das Zustandekommen eines RFC ist ein formalisierter Diskussionsprozeß, in dem ein ursprünglicher Entwurf ("Draft") der Kritik von Fachleuten und Entscheidungsträgern unterworfen wird, um schließlich als RFC "Verbindlichkeit" zu erlangen. Eine genaue Erklärung des Prozesses und andere Dokumente zur Sammlung aller bisherigen RFCs bietet der RFC-Editor1. Daneben werden in "Standards" (STDs) Konzepte und Protokolle niedergelegt und über einschlägige Sammlungen im Internet verbreitet.
Durch die Verwendung dieser Standards und allgemeiner Protokolle, die der Kommunikation zugrundeliegen, können Computer unterschiedlichster Systeme und Architekturen einander über die ganze Welt ansprechen und Daten austauschen, die von ebenfalls auf Standards beruhenden Applikationen präsentiert und verarbeitet werden. Dadurch werden der leichte Zugriff auf weltweit vernetzte Ressourcen und das explosionsartige Wachstum der Netze, insbesondere des World Wide Webs, möglich.

Entscheidungen über die besonders kontroversen Themen der Namens- und Adressverwaltung und andere eher politische als technische Entscheidungen fallen intransparent und meist in informellen Gremien, die via Mailing Lists, Video-Conferencing oder mehrmaligen jährlichen Treffen ad personam zustandekommen (so z.B. bei der IETF).
Vertreter dieser Gremien nennen Entscheidungsstrukturen dieser Art "basisdemokratisch"2, "von unten nach oben", "selbstregulierend".
Die Entscheidungsträger sind indessen meist Repräsentanten maßgeblicher und einflußreicher Bildungs- oder Forschungseinrichtungen (z.B. US-amerikanischer Universitäten oder der Nuklearindustrie), staatlicher Stellen oder Behörden (mit militärischem oder geheimdienstlichen Hintergrund, z.B. des amerikanischen Departements of Defence) oder internationaler Soft- und Hardware-Konzerne (z.B. Microsoft) bzw. Telekommunikationskonzerne wie AT&T.
Allen gemein ist, daß - mögen auch die Entscheidungen innerhalb der Gremien demokratisch fallen - freilich keine demokratische Legitimation der Gremien im eigentlichen Sinne gegeben ist.

Protokolle und Standards

Protokolle sind im Bereich der Datenfernübertragung und -verarbeitung Absprachen über die koordinierte Erbringung eines Dienstes über mehrere Rechner und/oder Systeme. Sie regeln den Austausch von Informationen zwischen den an diesem Austausch beteiligten Einrichtungen.

Datenübertragung und -verarbeitung auf heterogenen Systemen wird möglich, wenn beide (oder mehrere) der beteiligten Systeme das gleiche Protokoll kennen und verwenden. Kennzeichnend für das Internet und maßgeblich für den großen Erfolg ist die Verwendung grundlegender und unspezifischer Protokolle, die unabhängig von spezifischen Hardware-Gegebenheiten und Kommunikationszielen sind.

Ermöglicht wird das durch Standards, an die sich alle (oder zumindest die meisten) an einer bestimmten Art der Datenfernübertragung und -verarbeitung beteiligten Partner aufgrund einer Übereinkunft halten. Diese Standards ermöglichen es, daß Maschinen unterschiedlicher Hersteller und unterschiedlicher Architekturen mit unterschiedlicher Software miteinander kommunizieren können.

Gremien, Player, Internationale Organisationen - Wer bestimmt Standards?

World Wide Web Consortium (W3C)
(http://www.w3c.org/)

Das W3C wurde im Oktober 1994 gegründet, um - wie es einleitend in vielen Publikationen der Organisation heißt - "to lead the World Wide Web to its full potential".
Mittel dabei ist die Entwicklung sogenannter "common protocols", gemeinsamer Protokolle, welche die Interoperabilität unterschiedlicher Netzwerke und Architekturen gewährleisten soll. Das W3C ist ein internationales Industrie-Konsortium, dessen Arbeiten grundlegende Informationen über das World Wide Web für Entwickler und Benutzer; Implementationen von Referenz-Codes zwecks Vorantreibens internationaler Standards (z.B. HTML) sowie die Herstellung verschiedener Prototypen und Beispielanwendungen (z.B. Web-Browser) umfaßt, die die Verwendung der neuen Technologien dokumentieren.

Konkret gliedert das W3C seine Aufgaben in die vier Themenbereiche "User Interface", "Technology and Society", "Architecture" und "Web Accessability":

  • User Interface: HTML, CSS und XSL, Fragen der Darstellung mathematischer Formeln; spezielle Browser und Probleme der Internationalisierung des Webs;
  • Technology and Society: Rating und PICs, Fragen des E-Commerce, die von der Electronic Commerce Interest Group betreut werden (z.B. Mechanismen des Micropayments);
  • Architecture: HTTP, XML, Server;
  • Web Accessibility Initiative: "The power of the Web is in its universality. Access by everyone regardless of disability is an essential aspect." (Tim Berners-Lee, Direktor des W3C und Erfinder des WWW). The W3C's commitment to lead the Web to its full potential includes promoting a high degree of usability for people with disabilities. The Web Accessibility Initiative (WAI), in coordination with organizations around the world, is pursuing accessibility of the Web through five primary areas of work: technology, guidelines, tools, education & outreach, and research & development. (http://www.w3.org/WAI/)

Ursprünglich wurde das W3C in Zusammenarbeit mit dem CERN, von wo das Web seinen Ursprung nahm und mit Unterstützung von DARPA und der Europäischen Kommission eingerichtet. Organisatorischen Hintergrund der gegenwärtigen Struktur bilden das CERN, das Institut National de Recherche en Informatique et en Automatique (INRIA) und das Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Das Konsortium steht unter der Direktion von Tim Berners-Lee, dem "Schöpfer des World Wide Web", wird von seinem Mitgliedsorganisationen finanziert und ist nach eigenen Angaben neutral gegenüber Anbietern. Die vom Konsortium entwickelten Spezifikationen und die Referenz-Software sind frei erhältlich und können im Internet frei kopiert werden:
"They're not standards; they're just agreements. We don't enforce anything. We don't dictate. People come together around the table and talk and agree on something, then they write a specification. It' not a legal thing. It's a question of everybody looking at something and saying 'Wow!'" (Tim Berners-Lee über die Arbeit des W3C)3.

Zu den mehr als 300 Mitgliedsorganisationen zählen Adobe Systems Inc. (http://adobe.com/), America Online, Inc., American Express, Apple Computer, Inc., British Broadcasting Corporation, The Boeing Company, CERN, Deutsche Telekom - Online Service GmbH (T-Online), France Telecom, Fraunhofer IGD, Intel Corporation, Lotus Development Corporation, Microsoft Corporation, SAP AG, Sony Corporation, Telecom Italia, Toshiba Corporation, Toyota Motor Corporation und die Xerox Corporation, dazu Einrichtungen des US-amerikanischen politischen Systems, der Verwaltung und des Militärs (z.B. die National Security Agency (NSA)) und zahlreiche Universitäten auf der ganzen Welt (http://www.w3.org/Consortium/Member/List.html).

Die Hauptniederlassung des W3C ist beim Laboratory for Computer Science am MIT in Cambridge, USA. Weitere Niederlassungen befinden sich beim INRIA in Europa und an der Keio University Shonan Fujisawa Campus in Japan.


Internet Society (ISOC)
(http://www.isoc.org/)

Das "Internet Society Mission Statement" lautet "To assure the beneficial, open evolution of the global Internet and its related internetworking technologies through leadership in standards, issues, and education."4
Seit 1992 dient die ISOC als internationale Plattform zum Zweck einer globalen Zusammenarbeit und Koordinierung, auf der ein weites Spektrum unterschiedlicher Aktivitäten durchgeführt wird, die die Entwicklung des gesamten Netzes betreffen.

"The Internet Society acts not only as a global clearinghouse for Internet information and education but also as a facilitator and coordinator of Internet-related initiatives around the world. Through its annual International Networking (INET) conference and other sponsored events, developing-country training workshops, tutorials, statistical and market research, publications, public policy and trade activities, regional and local chapters, standardization activities, committees and an international secretariat, the Internet Society serves the needs of the growing global Internet community. From commerce to education to social issues, our goal is to enhance the availability and utility of the Internet on the widest possible scale."

Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem France Telecom (http://www.francetelecom.fr/), IBM (http://www.ibm.com/), Microsoft (http://www.microsoft.com/), Intel (http://www.intel.com/), ACOnet (http://www.aco.net/), America Online, Inc. (http://www.aol.com/), das CERN (http://www.chern.ch/), Cisco Systems, Inc. (http://www.cisco.com/), Network Associates, Inc. (http://www.nai.com/), die Siemens AG (http://www.siemens.de/), Novell, Inc. (http://www.novell.com/) und zahlreiche weitere wesentliche Organisationen aus Wirtschaft und Forschung.

Die aktuelle Mitgliederliste zählt rund 160 Einträge. Dazu gehören die Deutsche Telekom AG (http://www.telekom.de/), die Oracle Corporation (http://www.oracle.com), die schwedische Telia AB (http://www.telia.se/) ebenso, wie Universitäten auf der ganzen Welt (z.B. New York und Stockholm) und Softwarekonzerne oder die Weltbank (http://www.worldbank.org/) und die RAND Corporation (http://www.rand.org/).
Seit 1997 gibt es eine enge Kooperation der ISOC mit der ITU und vor allem der WIPO. Don Heath, der Präsident der ISOC, nennt dafür "politische Gründe". Wesentlich sind konkret die Festigung der Position der ISOC auf der einen Seite und die Einbindung internationaler Gremien zur Lösung von Namensstreitgkeiten im Internet auf der anderen. Die ITU repräsentiert dabei das "alte" Telephonsystem, auf dem das Internet aufbaut. Sein Funktionieren ist für die vernetzte Kommunikation daher essentiell.

Die ISOC hat zahlreiche Vertretungen in einzelnen Staaten und Städten (z.B. in New York), die österreichische Organisation hat ihren Sitz in Wien (http://www.isoc.vienna.org/). Das internationale Sekretariat (Internet Society International Secretariat) befindet sich in Reston, VA (http://www.isoc.org/isoc/).


Internet Architecture Board (IAB)
(http://www.iab.org/)

Das Internet Architecture Board (IAB) ist eine technische Beratungsgruppe der Internet Society. In ihren Verantwortungsbereich fallen:

  • "IESG Selection": das IAB ernennt den Vorsitzenden der Internet Engineering Task Force (IETF) und alle Kandidaten der Internet Engineering Steering Group (IESG), das Gremium der Direktoren aller "Working Groups" der IETF (http://www.ietf.org/iesg.html);
  • "Architectural Oversight": das IAB beaufsichtigt die Entwicklung der Protokolle und Abläufe, die im Internet zur Anwendung gelangen;
  • "Standards Process Oversight and Appeal": das IAB beaufsichtigt den Prozeß der Entwicklung und Definition von Internet-Standards. An das IAB können dabei auch Beschwerden über ungeeignete Anwendungen im Standardisierungsprozeß gerichtet werden;
  • "RFC Series and IANA": das IAB ist verantwortlich für Verwaltung und Herausgabe der Request for Comments (RFC)-Dokumentenserie (RFC-Editor; http://www.rfc-editor.org/), deren Herausgabe von der IESG besorgt wird und für die Verwaltung von "assigned numbers";
  • "External Liaison": das IAB repräsentiert die Interessen der Internet Society gegenüber anderen Organisationen, die mit der Standardisierung oder anderen technischen und organisatorischen Themen befaßt sind, die für das Internet relevant sind;
  • "Advice to ISOC": das IAB fungiert als Beratungseinrichtung der Internet Society in Fragen der Technik, der Netzarchitektur, Ablaufgestaltung und auch in politischen Fragen.

Das IAB zählt 13 Mitglieder, von denen 6 durch die IETF nominiert werden, welche wiederum vom sogenannten "Board of Trustees" der ISOC angenommen werden müssen, was vornehmlich den Zweck hat, den Standardisierungsaktivitäten von IAB und IETF einen rechtlichen Hintergund zu geben
Zusätzlich nahmen an den Treffen des IAB Repräsentanten der IANA Teil, darüberhinaus gibt es Teilnehmende von IESG und IRTF.
Die Charta des IAB findet sich in RFC 1601. Eine genaue Beschreibung der Aufgaben und Aktivitäten ist unter http://www.iab.org/connexions.html publiziert.
Seinen Sitz hat das Gremium beim Information Sciences Institute der University of Southern California (ISI/USC; http://www.isi.edu/), das bis zu seinem Tod im Oktober 1998 unter der Leitung von Dr. Jon Postel, einem der Väter des Internets und bis dahin auch Direktor der IANA, stand.


The Internet Engineering Task Force (IETF)
(http://www.ietf.org/)

Die Internet Engineering Task Force ist nach ihrer Selbstdefinition eine große, offene und internationale Gemeinschaft aus Fachleuten der Bereiche Netzwerk-Design, Operating, Handel und Industrie, sowie aus der Forschung, die sich mit der Weiterentwicklung und dem reibungsfreien Funktionieren des Internets beschäftigen. Sie steht grundsätzlich jedem Interessierten offen.

Die konkrete technische Arbeit der IETF erfolgt in sogenannten "Working Groups", die sich mit Themen unterschiedlicher Bereiche befassen (z.B. Routing, Security o.a.). Die meisten Arbeiten werden über Mailing Lists abgewickelt. Dreimal jährlich werden Treffen veranstaltet. Wesentliche Bedeutung für das World Wide Web haben die HTML- und die HTTP-Working Group (http://www.ics.uci.edu/pub/ietf/http/).

Die IETF-Working Groups sind nach verschiedenen Bereichen eingeteilt, die jeweiligen Bereichsleitern (Area Directors oder Ads) unterstehen. Diese sind die Mitglieder der Internet Engineering Steering Group (IESG). Das Internet Architecture Board, (IAB) ist für die sogenannte "architectural oversight" zuständig. Darüberhinaus entscheidet das IAB über Beschwerden, wenn die IESG einen Mißerfolg gelandet hat. Beide, das IAB und die IESG sind von der Internet Society (ISOC) mit diesen Aufgaben betraut worden.. Der General Area Director als Vorsitzender der IESG und der IETF ist gleichzeitig Mitglied des IAB.
Auch die Internet Assigned Numbers Authority (IANA), die die zentrale Koordinationsstelle für die Zuweisung eindeutiger Paramter (z.B. IP-Adressen) für die Internet-Protokolle vor der ICANN war, wurde von der ISOC berufen.

Das Gründungstreffen der IETF wurde im Jänner 1986 in San Diego mit 15 Anwesenden abgehalten. Beim bereits 4. Treffen im Oktober desselben Jahres waren erstmals Vertreter des Handels dabei. 1987, als das Konzept der Working Groups eingeführt wurde, kamen zu einem Treffen erstmals mehr als 100 Teilnehmer.
1989 kam es zu einer entscheidenden Änderung in der Organisation. Das IAB (damals das sogenannte Internet Activities Board, heute Internet Architecture Board), das bis dahin zahlreiche "task forces" unterhielt, änderte seine Struktur, um nur noch zwei beizubehalten: das IETF und das IRTF, dessen Aufgabe die Bewältigung langfristiger Forschungsprojekte ist.
Nach der Gründung der Internet Society im Jänner 1992 wurde ihr vom IAB der Vorschlag unterbreitet, daß die Aktivitäten des IAB unter der Aufsicht der ISOC erfolgen sollten und eine entsprechende Charta formuliert.
Das erste Treffen der IETF außerhalb der USA wurde 1993 in Amsterdam abgehalten.

Anders als manche andere Internet-Organisation kennt die IETF keine formelle Mitgliedschaft: "The IETF is not a membership organization (no cards, no dues, no secret handshakes :-))".
"The IETF is a large open international community of network designers, operators, vendors, and researchers concerned with the evolution of the Internet architecture and the smooth operation of the Internet. It is open to any interested individual." (http://www.ietf.org/join.html).

Der Umgangston ist freundlich, mitunter scherzhaft (siehe http://www.ietf.org/tao.html). Vgl. auch den Beitrag "How Anarchy Works" in WIRED 3.10, Oktober 1995 (http://www.wired.com/wired/archive/3.10/ietf_pr.html).

Das Sekretariat der IETF ist bei der US-amerikanische Corporation for National Research Initiatives in Reston, VA beheimatet (http://www.ietf.org/secretariat.html).


Internet Research Task Force (IRTF)
(http://www.irtf.org/)

Die IRTF besteht aus einzelnen kleinen Forschungsgruppen, die auf bestimmte Aufgaben und Themenbereiche spezialisiert sind: "these groups work on topics related to Internet protocols, applications, architecture and technology." Die Forschungsgruppen bauen auf eine langfristige Mitgliedschaft einzelner Fachleute, um Zusammenarbeit und Teamwork voranzutreiben, nicht auf die Representation großer Organisationen.

Der Vorsitz wird vom Internet Architecture Board (IAB) ernannt, die Vorsitzenden der einzelnen Forschungsgruppen von diesen bestellt.


Internet International Ad Hoc Committee (IAHC)
(http://www.iahc.org/)

Das Committee hatte sich zur Aufgabe gemacht, den für das Funktionieren des Internets grundlegenden Dienst des DNS prinzipiellen Regeln zu unterwerfen.

Das Domain Name System (DNS) ist - so das IAHC - "eine essentielle Komponente in der operationalen Infrastruktur der Datennetze", das entworfen worden war, um eine beliebige Maschine im Verbund ansprechen zu können. Zu diesem Zweck wurde ein hierarchisches Namenssystem angelegt, für das eine bestimmte Zahl von Top Level Domains (TLDs) existiert, nämlich eine für jedes Land und eine kleine Anzahl sogenannter generischer oder internationaler TLDs (gTLDs oder iTLDs). Die explosionsartige Kommerzialisierung des Internets spätestens ab 1994/95 hat es erforderlich gemacht, die Vergabe von Domains grundlegend zu ordnen, deren Namensqualität sie kommerziell verwertbar und wertvoll machen. Die Anstrengungen des IAHC gingen dahin, auf internationaler Ebene Abläufe im Hinblick auf die iTLDs festzulegen.

Das IAHC, das am 1. Mai 1997 aufgelöst wurde, war ein loser Zusammenschluß von Vertretern der Internet Society (ISOC), der Internet Assigned Numbers Authority (IANA), des Internets Architecture Board (IAB), des Federal Networking Council (FNC), der International Telecommunication Union (ITU), der International Trademark Association (INTA) und der World Intellectual Property Organization (WIPO).

Die Mitgliedschaft im IAHC sollte eine breite Palette von administrativen, operationalen, juristischen und technischen Einrichtungen umfassen, deren Repräsentanten aus Organisationen stammten, die die Domain-Administration oder vergleichbare internationale Aktivitäten finanzieren, relevante internationale Rechtsangelegenheiten übersehen und bestimmen, Internet-Service zur Verfügung stellen und Internet-Technologie entwickeln.

Das genaue Funktionieren der TLDs, so das IAHC, sei essentiell für das reibungslose Funktionieren des Internet, sowohl, was die Verwaltung der Domainzuordnung betrifft, aber auch die Arbeit des international arbeitenden DNS.
Wesentlich aber war das Finden verbindlicher Vereinbarungen über ein Thema, das äußerst kontrovers diskutiert wurde und wird und dessen finanzielle Implikationen bei der Registrierung tausender Domains monatlich zum Preis von ursprünglich US$ 100, später US$ 70/Jahr, gewaltig sind.


Internet Council of Registrars (CORE)
(http://www.corenic.org/)

CORE ist eine Non-Profit-Organisation, die auf Initiative der ISOC und der IANA im Herbst 1996 ins Leben gerufen wurde und deren Ziel und Aufgabe die Verwaltung neuer zusätzlicher Top Level Domains ist, für die weltweit Registrierungseinrichtungen geschaffen werden. Durch diese sollten die neuen gTLDs .firm, .shop, .web, .arts, .rec, .info und .nom in einem nach dem Ende des Verwaltungsmonopols von InterNIC und Network Solutions, Inc. (NSI) 1998 frei gewordenen Markt angeboten werden können.
Eigene Domain Name Service werden zu diesem Zweck auf der ganzen Welt installiert.
Die Überwachung erfolgt durch das Policy Oversight Committee (POC), welches dem - Anfang Mai 1997 nach Vorstellung des sogenannten MoU ("Memorandum of Understanding") aufgelösten - IAHC nachfolgt und dem unter anderem Mitglieder von IANA, ISOC, Internet Architecture Board (IAB), Council of Registrars (CORE) , International Trademark Association (INTA), der World Intellectual Property Organization (WIPO) und der International Telecommunication Union (ITU) angehören.

Die Diskussionen und mitunter harten Auseinandersetzungen um das DNS sind 1999 noch zu keinem Ende gekommen. ICANN, die lose Nachfolgeorganisation der IANA ("New IANA") und Network Solutions haben unterschiedliche wirtschaftliche und politische Interessen zu vertreten. Unter dem Akronym "gTLD-MoU" (Generic Top Level Domain Memorandum of Understanding; http://www.gtld-mou.org/) versucht indessen CORE als Zusammenschluß von Vertretern der IANA, des IAB, der WIPO, der ISOC, der ITU und der International Trademark Association (INTA; http://www.inta.org/) die Arbeit des Ad Hoc Committees fortzusetzen und Regeln für die Vergabe und Verwaltung von Domains, die Einführung neuer Top Level Domains und die Lösung von Streitigkeiten über Domains zu finden. Die grundsätzlichen Positionen ("Standards und Ethics") wurden in einem sogenannten "Memorandum of Understanding" bereits im Februar 1997 niedergelegt (http://www.gtld-mou.org/docs/gTLD-MoU-g.html), das von 200 maßgeblichen Anbietern weltweit gezeichnet wurde und sich scharf gegen das bisherige Monopol positioniert, welches auch von ICANN angegriffen wird. Neben America Online, France Telecom, Melbourne IT und register.com ist CORE einer der fünf neuen potentiellen Registratoren für die bisher exklusiv von NSI verwalteten gTLDs, welche im April 1999 von ICANN mit dieser Aufgabe betraut wurden.

CORE hat seinen Sitz in Genf.


Internet Assignet Numbers Authority (IANA)
(http://www.iana.org/)

Bis 1998 war für die Vergabe und Koordination von eindeutigen Adressen und die Zuordnung von Domains zu diesen die IANA zuständig, die vom US Federal Networking Council (FNC) und der ISOC mit dieser Aufgabe betraut wurde. Das FNC ist ein von der amerikanischen Regierung unterhaltenes Gremium, zu dessen 18-köpfigen "Board" Repräsentanten der NSF, des US Department of Energy, des US National Institute of Health und anderer Regierungsstellen gehören und dessen Aufgabe unter anderem darin besteht, die Weiternetwicklung und Koordination des Internets im Interesse der US-Regierung zu betreiben. Die IANA war keine juristische Person, sondern ein Projekt der Information Sciences Institute der University of Southern California unter der Leitung von Dr. Jon Postel.

Die IANA hatte die praktische Umsetzung ihrer Aufgaben an kontinentale Network Information Centers (NICs) delegiert, so etwa an das Asia-Pacific Network Information Center (APNIC, http://www.apnic.net), das American Registry for Internet Numbers (ARIN, http://www.arin.net) oder an Reseaux IP Europeens (RIPE, http://www.ripe.net). Diese wiederum übertrugen die Verwaltungsaufgaben in Sachen Internet-Adressraum an nationale NICs, wie z.B. NIC.AT (http://www.nic.at) in Österreich oder das deutsche DENIC (http://www.nic.de), bei denen Domains zur Registrierung gebracht werden können.
.gov und .fed.us-Domains werden ausschließlich für US-amerikanische Regierungsstellen vergeben und vom Government-Wide Registration Service (http://www.nic.gov/) verwaltet.
Die Verwaltung von .mil liegt beim Department of Defence Network Information Center (DoD NIC, http://www.nic.mil/).

Die Vergabe der Domains unter den gTLDs .com, .org, .net und .edu erfolgte bis zum Ablauf der zugrundeliegenden Vereinbarungen ab 1993 für fünf Jahre durch InterNIC (http://www.internic.net) in den USA, einer Kooperation zwischen der US-Regierung, vertreten durch die National Science Foundation (NSF), den Unternehmen General Atomic, AT&T und dem privaten Anbieter NSI, bei dem die administrative Abwicklung und Verrechnung der Domain-Registrierungen monopolistisch lag und mangels Einigung über die Neuorganisation der Registrierungen bis heute liegt. Während "InterNIC" eine registrierte Marke des U.S. Department of Commerce ist, wird seit Anfang 1999 die Domainverwaltung im Bereich der genannten TLDs von NSI in Eigenverantwortung und in eigenem Namen durchgeführt. 1995 wurde NSI von der Science Applications International Corporation (SAIC) gekauft, in deren Vorstand ehemalige und aktive Funktionäre aus dem US-amerikanischen Verteidigungssystem und dem Geheimdienst (National Security Agency, CIA) maßgeblich sind.
Die massive Kritik an der durch die - aus Sicht mancher Beobachter willkürliche - Beschränkung auf die klassischen TLDs (die technisch nicht zwingend ist), verursachte künstliche Knappheit des Namensraumes wurde so perpetuiert.
Die Unzufriedenheit weiter Teile der "Community", der fiktiven Gemeinschaft aller Internet-Benutzer, mit der Monopolsituation bei der Namensvergabe und das Preisdiktat von NSI führte in der Vergangenheit zu aktionistischen Maßnahmen, die die Verletzlichkeit des z.B. für den Zugriff auf Web-Sites grundlegenden Namenssystem drastisch vor Augen führten. So hat Eugene Kashpureff5 in einer berühmt gewordenen Aktion im Juli 1997 DNS-Anfragen an den Root-Server von InterNIC durch eine technischen Trick für mehrere Tage auf seine Systeme umgeleitet (http://www.alternic.net/), um neue TLDs zu präsentieren und seiner Idee der Freiheit des Namensraums weltweit Gehör zu verschaffen. Rund 3% der Requests sollen über den alternativen Root Server gegangen sein6.

Ab 1998 sollte eine neue Non-Profit-Organisation, die "neue IANA" ("new IANA") unter der Leitung eines internationalen Direktoriums die für die zentralen Koordinationsfunktionen des Netzes notwendigen Operationen überwachen und im Wege selbstregulativer Mechanismen der Industrie die grundlegenden Funktionalitäten des Internets gewährleisten.
In einem deregulierten weltweiten Kommunikationsmarkt sollte die von der US-Regierung unterstützte und als Provisorium für fünf Jahre eingerichtete Arbeit der IANA nicht in derselben Form fortgeführt werden. Nachdem das Internet sich von einer für Forschungszwecke installierten und vornehmlich von höheren Bildungseinrichtungen für wissenschaftliche Zwecke genutzten Informationsinfrastruktur zu einem vielfältigen Massenmedium gewandelt hat, das von Millionen Menschen auf der ganzen Welt benutzt wird, sollte nun auch diese vorgestellte "Community" es sein, aus deren Taschen anstelle derjenigen des US-Haushalts die von ihr benutzten Netze finanziert werden sollten.
Doch hat die Regierung der Vereinigten Staaten als "Wächter jener Entwicklungen und Arbeiten", die von der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) begonnen und durch Finanzierungen der National Science Foundation (NSF) unterstützt wurden, durch welche das Internet geschaffen und die IANA ins Leben gerufen wurden, die Aufgaben nicht einfach aus der Hand gegeben, sondern erstellte Richtlinien für eine neue Organisation, um diese Arbeit auszuführen.

Die Auswahl des Vorstandes der neuen Organisation sollte dabei weniger von staatliche Stellen der USA als von Einrichtungen erfolgen, die die Gemeinschaft der Internet-User repräsentieren und/oder mit den genannten Aufgaben schon bisher befaßt waren. Die sind vor allem die bisherigen Registrierungseinrichtungen APNIC, ARIN, und RIPE, die einzelnen Domainverwaltungen, das Internet Architecture Board als Vertretung derjenigen Entscheidungsträger, die Netz-Standards entwickeln und weitere Organisationen.

Aufbau und Arbeitsbereiche der neuen Organisation sollen dabei von den Anforderungen des von der US-amerikanischen National Telecommunications Information Administration vorgestellten "White Paper" bestimmt werden. Drei funktionale Bereiche sollten dabei von unterschiedlichen Gremien wahrgenommen werden, nämlich Adressen, Domain-Namen und Protokolle. Ein viertes Gremium solle die Interessen von End-User und Industrie vertreten.

Die Dienstleistungen der IANA wurden vom Information Sciences Institute der University of Southern California unter der Direktion von Dr. Jon Postel umgesetzt. Die "neue IANA" soll indessen von einem repräsentativen Vorstand ("Board of Directors") geleitet werden.

Durch die neue Organisation sollen die Preise für die Domainregistrierung den Kräften des Marktes überlassen und durch mehrere voainander unabhängige Registratoren durchgeführt werden. Bisher hatte die amerikanische Regierung die Kosten von Adressen und Domain-Namen gestützt. Nun sollen diese Kosten die User tragen und die Internet-Ökonomie wird die Preise bilden. Freilich eine Zeitlang unter der Überwachung der zuständigen amerikanischen Behörden, bis der Markt sich stabilisiert haben wird.

Das Büro der IANA befand sich, wie das der Nachfolgeorganisation ICANN, in Marina del Rey, CA.


The Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN)
(http://www.icann.org/)

Gegen die Zentralisierung und Monopolisierung der Namensverwaltung in einem globalen und verteilten Netzwerk gab es seit Jahren eine harte Opposition. 1996 hatte sich unter Einfluß der ISOC sowie der International Telecommunications Union (ITU) das IAHC mit dem Ziel gebildet, die Vergabe von Netzadressen in der abzusehenden Nachfolge der IANA flexibler und offener zu gestalten. In einem "Green Paper" hatte sich die US-Regierung allerdings im Januar 1998 den stark von europäischer Seite beeinflußten Plänen zur Durchsetzung des IAHC widersetzt - um nach heftiger Kritik wenige Monate später in einem "White Paper" die Gründung einer privaten Institution zur Regulierung der elementarsten Funktionalitäten des Internets vorzuschlagen. Das Ergebnis mehrerer "Konstituierungsrunden" war schließlich ICANN:
"The Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) is the new non-profit corporation that was formed to take over responsibility for the IP address space allocation, protocol parameter assignment, domain name system management, and root server system management functions now performed under U.S. Government contract by IANA and other entities."

Drei "Unterstützungsorganisationen" (Supporting Organizations (SOs)), deren Aufgabenbereiche dem logisch-technischen Ablauf einer Internetverbindung entsprechen, sollen in Zukunft die Aufgaben der ICANN umsetzen:

1. Die Address Supporting Organization (ASO) beschäftigt sich mit der Verwaltung des IP-Adreßraums, den numerischen Adressen von Internet-Rechnern wie z.B. 128.9.128.127, die jeden vernetzten Computer eindeutig identifizieren. Sie soll die Aufgaben der IANA übernehmen.

2. Die Domain Name Supporting Organization (DNSO) wird sich mit dem Namenssystem beschäftigen, das gewöhnlich verwendet wird, um im Internet Angebote und Ressourcen zu lokalisieren. Das sogenannte Domain Name System übersetzt diese einfach zu merkenden Namen (z.B. www.cyberlaw.at) in IP-Adressen, welche bestimmten Computern zugeordnet sind. Die DNSO soll sich aus verschiedenen Verwaltungseinheiten zusammensetzen (Names Council, eine General Assembly und verschiedene sogenannte "Constituency Groups", welche unterschiedliche Aspekte des DNS behandeln).

3. Die Protocol Supporting Organization (PSO) beschäftigt sich mit jenen technischen Standards, die es Computern ermöglichen, über das Internet Informationen auszutauschen und Kommunikationsverbindungen aufrechtzuerhalten.

In den langwierigen Verhandlungen der ICANN auf verschiedenen Treffen in Europa, in Singapur und in Afrika werden langsam Ergebnisse erzielt, wie das "Statement of Registrar Accreditation Policy", durch welches ein Programm zur Akkreditierung von Registrierungsstellen der .com-, .net-, und .org-TLDs erstellt werden soll7.

Darüberhinaus werden organisatorische Strukturen für die Mitgliedschaft in der neuen Organisation sowie Abläufe für die Übernahme der bisherigen Arbeiten der IANA entwickelt.
Pläne für die Regelung der Mitgliedschaft wurden in einer Studie des Berkman Center an der Harvard Law School geprüft.
Standards und Regeln für die Akkreditierung von Domainregistrierungsstellen waren 1999 in zum Teil heftiger Diskussion und lagen in zahlreichen Entwurfsvarianten vor8.
Aufgrund einer Vereinbarung mit der U.S. Regierung sollte Network Solutions Inc. im Laufe des Jahres 1999 zunächst für ausgewählte Test-Registrierungsstellen und später für alle akkreditierten Registrierungseinrichtungen die Verwaltung und den Verkauf von Domains unter den gTLDs .com, .org. und .net ermöglichen (Amendment 11 des Cooperative Agreement zwischen der U.S.-Regierung und Network Solutions Inc.9).

Ende 1999 kam eine Vereinbarung über die zukünftige Verwaltung und Registrierung von Internet-Namen unter den Top Level Domains .com, .net und .org nach langen Auseinandersetzungen zwischen der amerikanischen Regierung, der neuen Verwaltungs-"Behörde" ICANN und dem bisherigen Registrierungsmonopolisten Network Solutions Inc. zustande.
Demnach verwaltet Network Solutions (NSI) im Auftrag der ICANN weiterhin die zentrale Datenbank und die zugehörigen Server. Ab Anfang 2000 gibt NSI den Registrierungseinrichtungen, die von ICANN akzeptiert wurden, die Möglichkeit, Domain-Namen in die Datenbank aufzunehmen und verlangt dafür von den konkurrierenden Unternehmen eine Gebühr in Höhe von wenigen US-Dollar pro laufendem Registrierungsjahr. Nach Ablauf dieser auf 4 Jahre befristeten Vereinbarungen soll die ICANN ein Auswahlverfahren zur Bestimmung einer neuen, zentralen Domain-Verwaltung durchführen, an dem sich auch NSI beteiligen kann.

Die World Intellectual Property Organization (WIPO) nimmt an den Aktivitäten der ICANN unter anderem durch die Ausarbeitung von Vorschlägen zur Verhinderung bzw. Lösung von Streitigkeiten wegen Domains sowohl für die zukünftige Dachorganisation der einzelnen Registrerungseinrichtungen als auch für die einzelnen Registrierungsstellen Teil. Streitigkeiten dieser Art im Zusammenhang mit Marken-, Muster-, Namens- und Urheberrechtsschutz befassen zunehmend auch europäische Gerichte, Domain Grabbing wurde in den Netzen zum Problem. Die Empfehlungen der WIPO sollen als Teil der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der einzelnen Registrierungsstellen bzw. als Akkreditierungsrichtlinien der ICANN Rechtsverbindlichkeit erlangen.

Das Büro der ICANN befindet sich in Marina del Rey, Kalifornien, USA (http://www.icann.org/contact.html).

Zahlreiche internationale und nationale Organisationen befassen sich mit weiteren Teilbereichen der technischen, rechtlichen oder administrativen Organisation des Internet, so etwa die International Telecommunication Union (ITU; http://www.itu.int/), die World Intellectual Property Organisation (http://www.wipo.org/) oder Non Governmental Organisations wie das Internet Mail Consortium (http://www.imc.org/) oder das Internet Law and Policy Forum (ILPF; http://www.ilpf.org/).

Weitere maßgebliche Organisationen listet Yahoo! unter http://dir.yahoo.com/Computers_and_Internet/Internet/Organizations/.


Informationen über Standards und deren Implementation

Das Web selbst bietet zahlreiche Quellen, um sich über Standards und deren Implementierung informieren zu können. Wesentliche RFC-Datenbanken finden sich unter
RFC HyperText Archive, hosted by SunSITE DK (http://sunsite.auc.dk/RFC/) oder bei
"RFCs in HTML Format" (http://rfc.fh-koeln.de/doc/rfc/html/rfc.html).
Auf den Web-Sites der beschriebenen Organisationen, die für die Entwicklung und Umsetzung von technischen Standards zuständig sind, werden Spezifikationen und Drafts zur Verfügung gestellt.

Entwicklung und Durchsetzung von Standards

Nicht immer sind es die technisch besten oder ausgereiftesten Entwicklungen, die im Web Verbreitung finden und sich zu technischen Standards mausern. Das von der technischen Universität Graz entwickelte Hyper-G10 wäre eine Weiterentwicklung bisheriger Webstandards gewesen, hat sich aber nicht durchgesetzt und ist aus dem Web wieder verschwunden. Eine Hyper-G-Seite wäre mit einem herkömmlichen Browser zu betrachten gewesen, während eine erweiterte Funktionalität mit einem speziellen Browser wie "Harmony" oder "Amadeus" umzusetzen gewesen wäre. Bidirektionale Links (Links, wo Änderungen der Zieladresse auf das ursprüngliche Link zurückwirken), Suchwerkzeuge, ein schnelleres Protokoll als HTTP und eine verbesserte Implementierung von Fremdsprachen, darüberhinaus Werkzeuge zur Pflege großer Sites wären die herausragenden Vorteile von Hyper-G. Trotz Unterstützung durch die Industrie ist Hyper-G eine der zahlreichen Entwicklungen im Web, denen die massenhafte Umsetzung versagt blieb.
Auch in VRML setzte die Literatur große Hoffnungen und betrachtet die von Mark Pesce entwickelte Virtual Reality Modelling Language als Meilenstein auf dem Weg in die Virtuelle Realität. Dreidimensionale Darstellungen lassen sich mit dieser relativ einfachen Bechreibungssprache erschaffen und mit Hilfe von Plug-Ins via Web-Browser abrufen. Doch damit erstellte 3D-Welten fanden, nicht zuletzt wegen der erforderlichen Hardware-Voraussetzungen, ebenfalls keine Massenverbreitung. Active Worlds (http://www.activeworlds.com/) oder Blaxxun (http://www.blaxxun.com/) bieten zwar eindrucksvolle und unüberschaubare Welten mit unterschiedlichem Licht und untermalt von Musik in CD-Qualität, bevölkert von zahlreichen Avataren (dreidimensionalen Entsprechungen der User), die aber über herkömmliche Modemverbindungen und mit üblichen Desktop-Rechnern zu langsam dargestellt werden.
Sinnvolle Nutzanwendungen von VRML finden sich etwa in der experimentellen Architektur, wo die Sprache zusammen mit anderen Web-Anwendungen (Java, JavaScript) die Schaffung eindrucksvoller Umgebungen ermöglicht (so z.B. phase(x)3 unter http://space.arch.ethz.ch/ss99/, ein Projekt der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich).



1 http://www.rfc-editor.org/rfcfaq.html [08.1999]
2 so Don Heath in: Krempl, Stefan: Im besten Interesse des Internet (26.08.98), http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/1539/1.html [08.1999]
3 WIRED, 3.03, März 1997, S. 140
4 http://www.isoc.org/isoc/mission/ (09.1999)
5 vgl. Kuchinskas, Susan: The Rebell Sell, in: Internet Underground Issue 12, November 1996
6 Diamond, David: Whose Internet is it, anyway?, in: WIRED 6.04, April 1998
7 http://www.icann.org/accredit.html [08.1999]
8 http://www.icann.org/drafts.html [08.1999]
9 http://www.ntia.doc.gov/ntiahome/domainname/proposals/docnsi100698.htm [08.1999]
10 Vgl.: Maurer, Hermann et.al.: Hyper-G: The Next Generation Web Solution, Addison-Wesley Publishing Co., 1996


Der Beitrag stammt aus dem Skriptum "WWW-Technik und Web-Design" (1. Auflage; 1999/2000), welches gemeinsam mit Mag. Georg Jünger und Stefan Oswald für den postgradualen Lehrgang für Informationsrecht und Rechtsinformation an der Universität Wien erstellt wurde.




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